Archiv Seite 2

Vera F. Birkenbihl – Cebit 1982

Spass mit Vera F. Birkenbihl („Scheiss Japaner“, Cebit 1982):

© Vera F. Birkenbihl

Quelle: youtu.be/luk8×1szxrE (~15:00)

NatNix – Sweet

NatNix – Break The Deadlock

NatNix – Break The Deadlock by Natnix on Mixcloud

Mit dem Fahrrad von San Francisco nach LA

Ohne Titel

1. Tag Mittwoch 26. August

San Francisco --> Half Moon Bay RV Park

Am Mittwoch den 26. August geht es also los, ich starte meinen Bike Trip von San Francisco nach LA an der Pacific Küste entlang. Ziemlich spät wie ich später merken sollte. Ich fahr gegen 14:40 Uhr mit der Fähre von Oakland Jack London Square nach San Francisco Downtown (SF Ferry Building) um dann von dort aus gegen 15:20 die erste Etappe nach Half Moon Bay in Angriff zu nehmen. Hätte ich gewusst wie schwer das Rad mit Gepäck wirklich ist, wäre ich wohl nicht los. Und hätte ich gewusst, was für Berge mich gleich am ersten Tag erwarten, schon zweimal nicht. Die kommen nämlich gleich nach San Francisco Ocean Beach auf dem Highway 1. Mit soviel Gewicht zieht der kleinste Hügel rein, unglaublich. Naja, ich beiße die Zähne zusammen und denk mir nur, wie ich auf diese bescheuerte Idee gekommen bin. Aber gut, einfach weiter und weiter fahren. Die Berge hören nicht auf und jeder kleine Hügel schmerzt wie Sau. Dann endet auch noch die Bike Route auf dem Highway 1 und ich werde per Schild angewiesen die andere Strassenseite zu benutzen. Mach ich auch. Das Problem ist nur das ich quasi auf einem 1 Meter Seitenstreifen entgegen Fahrtrichtung zum 2 spurigen Highway down hill unterwegs bin. Etwas mulmig ist mir schon dabei zumute, das kann doch nicht ganz richtig sein. Aber umkehren ist nicht da es viel zu steil bergab geht. Also hoffe ich auf ein baldiges Ende der aktuellen Situation und endlich, nach 3-4 km gibt es eine Lücke in der Strassenmitte und ich kann wieder auf die richtige Strassenseite wechseln. Die Berge werden jedoch nicht weniger und meine Beine brennen höllisch. Schnell noch 2 Power Bars reingeschmissen, vernünftig gegessen hab ich irgendwie auch nicht, bin einfach los, etwas chaotisch. Dann fällt auch noch das GPS aus (auf meinem iPod Touch, mehr hab ich nicht). Ich frag mich durch und erreiche die erste Übernachtungsstätte, den Half Moon Bay RV Park gegen 19:30, es wird schon dunkel. Morgen also richtig früh los sag ich mir. Schnell das Zelt aufgebaut und ab in Cameron’s Pub für einen Killer Burger und ein New Castle Brown Ale. Danach geht nicht mehr viel und ich falle todmüde in die Falle.

Distanz: 61 km (38 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18.6 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 58.4 km/h
Fahrzeit: 3:15 h
Terrain: Zu Beginn sehr bergig, dann hügelig, gegen Ende flach.

2. Tag Donnerstag 27. August

Half Moon Bay RV Park --> Santa Cruz „Brighton State Beach“

Ich wache ohne Wecker gegen 8 Uhr auf, na nu, was ist denn da los, so kenne ich mich ja gar nicht. Aber das ist gut, so geht’s um 10 Uhr los. Die Beine fühlen sich besser an als erwartet und erstmal ist es relativ flach, man kann gemütlich zwischen 25-30 km/h cruisen, der Rückenwind treibt einen schön vor sich her. Ich treffe Craig aus Australien. Er ist auch mit Rad nach LA unterwegs und hat noch mehr Gepäck dabei als ich, zumindest sieht es so aus. Auf jeden Fall ist es besser verteil weil er auch vordere Radtaschen hat, ich nur hintere. Wir fahren einige Zeit zusammen und schnacken etwas. Er fährt nach Bike Karte, meine Bestellte kam ja leider nicht rechtzeitig an und ich bin einfach ohne los. Aber gut das ich Ihn getroffen habe, er erzählt mir das eingige campgrounds einen speziellen walk-in service anbieten. Hike & Bikers heisst das Zauberwort, dann kann man für $5 pro Nacht bleiben (auch wenn sie ausgebucht sind). Super Nachricht! Die erste Nacht kostete $40. Ich ändere meinen Plan und peile die nächste Hike & Bikers Station an, New Brighton State Beach, mitten in Santa Cruz (so dachte ich zumindest). Auf dem Weg dorthin mache ich noch Halt an einer kleinen Farm und esse frische Erdbeeren mit selbstgemachter Limonade, fantastisch. Der Weg nach Santa Cruz ist atemberaubend schön. Es ist wirklich nicht untertrieben das man entlang des Highway 1 die unglaublichste Natur erleben kann, sowas gibt’s bei uns nicht. Die Hügel tun trotzdem weh, aber nicht so sehr wie gestern. In Santa Cruz angekommen erfahr ich dass das Bike Camp etwas ausserhalb liegt und nicht wie gedacht in Santa Cruz. Na toll, noch mal schön rauf und runter, etwa 1 Stunde dauert es bis ich endlich ankomme. Dafür werde ich mit besagtem unschlagbarem Preis belohnt und dazu noch mit einer tollen Aussicht nah am Strand. So macht Zelten Spass. Jetzt kam gerade noch ein anderer Graig angefahren, auf so einem neu modernen 2 rädrigen „ich stell mich drauf und los gehts“ Gefährt, was gern für Touris in Städten benutzt wird. Er ist schon etwas älter, kann kaum laufen und erzählt ein paar Schwanks aus seinem Leben. Dann gibt er mir noch den Rat unbedingt im Restaurant Nepenthe südlich in Big Sur anzuhalten, das wäre ein extrem interessanter Schuppen sagt er, mit grandioser Aussicht. Hab ich doch auch hier denk ich und geh erst mal kurz in’s Meer und dann chillen am Strand. Dann treffe ich David und Svea, er aus San Diego, sie aus Berlin, beides auch Biker und Richtung Süden unterwegs. David teilt großzügig seine google maps (er hat ein Smartphone, ich ja nur meinen iPod) mit sämtlichen Hike & Bikers campgrounds entlang der Küste, wie geil. Jetzt brauch ich nur noch Wifi, das gibt’s hier leider nicht aber dass kann ich morgen beim Frühstück irgendwo erledigen.

Distanz: 92 km (57 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 21.5 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 64.1 km/h
Fahrzeit: 4:16 h
Terrain: Meist flach am Ende einige Hügel.

3. Tag Freitag 28. August

Santa Cruz „New Brighton State Beach“ --> Monterey „Veterans Memorial Park“

Ich steh um 8 Uhr auf und geniesse den Morgen am Strand. Schön beschaulich ist es da, nicht viel los. Da ich nix anderes zu essen habe und es hier nix gibt, esse ich einen weiteren Energy Bar. Ich brauch dringend ein ordentliches Frühstück fällt mir auf, und Wifi, um den Tag zu planen. Naja, vielleicht ja auch nicht, ich hab ein paar Fotos von Craigs Karte gemacht, die ist ziemlich genau, müsste eigentlich auch so hinhauen denke ich mir. Also schnell Zelt und Sachen gepackt, von den anderen Bikern verabschiedet und los gehts. Nach 3 km finde ich „The Farm“ am Wegesrand. Ein Cafe mit gutem Frühstück, genau was ich brauche. Breakfast Burido und 2 flipped sunny side eggs, dazu Mangosaft, Wasser und ein Kaffee. Jup, das sollte erstmal ne Weile reichen.
Dann geht’s weiter, schön die Pacific Coast Bike Route entlang, abseits von viel befahrenen Strassen, vorbei an 100ten von Erdbeerfeldern und den armen Leuten die bei der Hitze dort ernten, alle dick eingepackt mit Pulli und Kapuze, das schützt wohl vor der Sonne sieht aber krass warm aus. Ich mache eine Verschnaufpause am „Moss Landing Beach“ und stelle voller Begeisterung fest dass sich etwa 50-100 Meter vom Ufer entfernt mehrere Wale tummeln, sie blassen ihre Wasserfontainen hoch in die Luft und ich wundere mich dass sie so nah am Ufer sind. Ein paar Flossen tauchen später auch auf, könnten auch Haie sein, kann ich nicht genau sagen. Es ist herrlich hier zu sitzen und auf’s Meer zu starren. Ich fahr weiter und fülle noch meine Trinkflasche auf. Das war ein guter Zug merk ich später, es sollte nämlich mal wieder länger dauern als gedacht. Ich verfranz mich völlig in Monterey, hab wiedermal kein GPS aufm iPod und sonst nur Fotos von Karten die aber nicht so genau in’s Detail gehen, und kurz vorm Hungerast bin ich auch noch. Ich halte schnell am nächsten Grocery Store, kauf 2 Sandwiches und benutz das obligatorisch freie Wifi. So finde ich auch raus das ich wieder zurück muss und mir quasi 20 km hätte sparen können, Mensch Meier. Naja, das Bike Camp ist mal wieder uffm Berg, tut schon etwas weh aber schliesslich komm ich oben an. Noch schnell mehr essen und mit den Bike Kameraden/innen quatschen und ab in’s Nest.

Distanz: 89 km (55 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18.8 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 51.4 km/h
Fahrzeit: 4:42 h
Terrain: Hügelig, dann leicht bergig, auch flach.

4. Tag Samstag 29. August

Monterey „Veterans Memorial Park“ --> Big Sur „Pfeiffer big Sur State Park“

Joa, die Nacht war etwas unruhig, viel los auf dem Veterans Memorial campground, aber es ist ja auch Wochenende und da wollen die Leude halt ihren Spass haben. Ich nehm’s gelassen und denk mir, ja, ich glaube ich war schon öfters auf der anderen Seite und hab Party gemacht ohne im Geringsten an irgendwelche anderen zu denken die eventuell gern schlafen würden. Um ganz ehrlich zu sein bin ich ziemlich gut darin andere mit Musik zu terrorisieren wenn ich einen Lauf habe, daher vergebe ich grosszügig. Als jedoch ein paar Jungs lautstark von irgendwo zurück kommen und sich dann direkt im Zelt neben mir gegen 3 Uhr nachts unterhalten sag ich mir schon, come on guys, go to bed. Tun sie auch und ich schlaf noch gut und lange, bis etwa 9 Uhr. Bin etwas träge an diesem Morgen und komm auch erst gegen 10:30 los. Erstmal auf der Suche nach nem Frühstück und Wifi, find ich auch, im selben Supermarkt wie gestern. Diesmal kaufe ich etwas Proviant ein denn ich hab von den anderen Bikern gelernt das es besser ist selbst versorgt unterwegs zu sein, die Bike Camps haben meist nix zu essen anzubieten. Nen Gaskocher hab ich zwar nicht aber man kann ja auch aufm Feuer erhitzen ;) . Das Gewicht des Essens merk ich allerdings deutlich und gerade heute geht’s nur auf und ab mit insgesamt etwa 900 Höhenmeter. Da tut jedes Gramm mehr wirklich weh, aber ja, muss halt, grösstes Ritzel hinten und vorn das kleine, so arbeite ich mich Stück für Stück die Berge hoch. Dabei träum ich von Bananen und dann geht’s mit mir durch und ich sing den Banana-Joe! :D

Banana Joe

Runter ist dafür um so schöner und schnell, zwar nicht wirklich am Limit, da geht eigentlich noch gut was nach oben hin aber mit den Radtaschen (und zwar nur hinten) wird das Ganze ab 60 km/h leicht kriminell. Achso, ganz vergessen, die 17 Meilen Pacific Bike Tour von Monterey nehm ich auch mit. Dadurch ist die Tagesetappe zwar etwas länger aber es lohnt sich wirklich. Kann ich nur jedem empfehlen der sich mal in der Nähe von Monterey aufhalten sollte. Nach etwa 80 km erreich ich den Pfeiffer Big Sur State Park und treff gleich wieder andere Biker die in verschiedene Richtungen unterwegs sind. Das ist wirklich eine interessante Community, diese Biker Leutz, sehr nette Charaktere treff ich so. Man sitzt zusammen und tauscht Erfahrungen und Tips aus. Ich bin halt voll das Greenhorn, aber egal, macht Spass und ich lern ne Menge von denen. Manche trifft man immer wieder, andere nur einmal. Manche sind nur ein paar Tage/Wochen unterwegs, andere Monate. Könnte ich mir ehrlich gesagt auch vorstellen, mal ein paar Monate, etwas besser organisiert dann.

Distanz: 82 km (51 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19.9 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 67.8 (neuer Rekord)
Fahrzeit: 4:06 h
Terrain: sehr bergig

5./6. Tag Sonntag/Montag 30./31. August

Big Sur „Pfeiffer Big Sur State Park“ --> Big Sur „Kirk Creek“

Heute steht die krasse Bergetappe auf dem Programm. 2 mal hoch auf 1000 feet (etwa 300 Meter) und ansonsten auch nur hoch und runter, au weia, dafür nur 50 km. In der Ruhe liegt die Kraft, ne. Gleich nach dem Start rauf auf den ersten Berg, das ist nicht nett. Kein warm-up, nix, aber gut, muss halt. Dann im Anschluss, rauf und runter, direkt an der Küste entlang, Big Sur, ein Paradies auf Erden! Mein linkes Knie macht sich bemerkbar, ich muss echt langsam machen sag ich mir. Also halte ich bei einem der wenigen Restaurants an und esse Salat mit Apfelschorle. Die Apfelschorle ess ich nicht, die trink ich. Muss ich denen erstmal erklären wie das geht, Amis, tz. Dann weiter und ich ereiche kurz später „Kirk Creek“, ein Hike & Biker campground mit phänomenaler Ocean View, dafür ohne Wasser. Zum Glück hat mich jemand gewarnt und ich hab genügend dabei. Hier ist es herrlich, nicht soviel los, nur Natur, mit verstecktem Pfad zum Sandstrand runter, ich beschliesse hier einen Ruhetag einzulegen. Ich bin jetzt bei knapp 400 km, das wird mir gut tun. Ich schlaf mit offenem Zelt ein und eine feuchte Nase weckt mich schnuppernd schlabernd ein paar Stunden später. Ein Raccon (Waschbär), wohl auf der Suche nach etwas zum fressen. Ich wach auf, er erschrickt und verdünnisiert sich. Na dann mach ich mal lieber zu. Der nächste Tag ist mega gechillt, ich schlaf aus, ess ein paar Brote, geh über den versteckten Pfad zum Strand und geniess es. Dann zieh ich mit dem Zelt für den Tag in den Schatten unter ein paar Bäume. Hier lässt es sich gut aushalten. Ich musste schon mehrfach neulich darüber nachdenken was für ein Geschenk Schatten doch sein kann, oder eben das Objekt das ihn gibt, in diesem Fall ein Baum. Grossartige Erfindung! Ich chill in den Tag hinein, mein kleines Bergfest, die Hälfte der Distanz ist etwa geschafft. Später fahr ich wieder zum Gasthof mit Ocean View, ess lange und gut und kauf noch ein paar Lebensmittel und Bier für abends ein. Dann zurück zu meinem schon sehr liebgewonnenen neuen Heim. Das Zelt wieder in die untergehende Abendsonne gestellt, ein Bier in der Hand und einfach nur geniessen … Bäm, sowas von abgefahren schön. Das ist wirklich der beste Platz bisher, nur ein Drahtzaun durchquert das Bild, mich stört es jedoch nicht. Es wird schon wieder dunkel und ich geh runter an den anderen Strand, steinig mit vielen hohen Felsen. Ich klettere auf den höchsten (den auf dem der Surfer steht) und hör Aphex Twin’s freie Soundcloud Veröffentlichungen von Anfang diesen Jahres. Es ist fast dunkel, dazu der Sound, die steinige Kulisse, die Wellen, das fetzt. Später mach ich ein Lagerfeuer und grill Würstchen und Suppe aus der Dose. Das war ein sehr schöner relaxter Tag aber morgen geht’s weiter.

Distanz: 48 km ( 30 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.8 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 59.8 km/h
Fahrzeit: 2:51
Terrain: sehr sehr bergig

Am Ruhetag fahr ich 13 km (sehr bergig) zum Restaurant und zurück.

Stone Surfer

7./8. Tag  Dienstag/Mittwoch 1./2. September

Dienstag: Big Sur „Kirk Creek“ --> San Simeon State Beach
Mittwoch: San Simeon State Beach --> Oceano „Coastal Dunes RV Park & Campground“

Nach dem Ruhetag am Kirk Creek campground tu ich mich etwas schwer in die Gänge zu kommen, ich chill schon wieder in den Tag hinein und komm erst gegen 13 Uhr los. Die ersten 30 km sind nochmal richtig bergig aber es läuft gut und mein Knie hat sich auch beruhigt, sehr gut. Am höchsten Punkt ess ich einen Burger. Viel mehr gibt’s hier auch meistens nicht, Burger & Sandwiches, ich hätte gern mal ne ordentliche Pasta, naja, dann halt nicht. Danach geht’s 30 km schön geradeaus, leicht hügelig bis flach Richtung San Simeon. Es läuft und ich bin gegen halb sechs am San Simeon State Beach, das nächste campground. Leider wieder ohne Duschen, joa, gibt schlimmeres, mich stört’s nicht, wohl eher andere, haha, aber ist ja keiner sonst da, bin ganz alleine als Biker. Man kann unterm Highway 1 unter einer Brücke durch direkt zum Meer, ein weiterer wahnsinnig schöner Sonnenuntergang erwartet mich da. Ich ess noch ein paar Happen und geh früh in’s Bett. Es raschelt die ganze Zeit, ich schau mal nach und ein Skunk (Stinktier) verkriecht sich schnell in’s Gebüsch als wär nix gewesen. Ich schliess mein Zelt und schlaf ein. Am Morgen wach ich auf und stell verwundert fest das mein Trikot nicht da ist wo es gestern war, ich hatte es zum trocknen auf die Bank neben dem Zelt gelegt. Oh, nein, es fällt mir ein, da waren noch 2 Power Bar Riegel drin, Mr. Stink ging bestimmt ordentlich steil, der hat bestimmt schon lange nicht mehr soviel geschafft wie heute Nacht, seine Frau wird stolz auf ihn sein ;) Vielleicht war’s ja auch die Frau, man weiss es nicht, man weiss es nicht :) Das Trikot haben sie mir zum Glück gelassen.
Ich bau gemächlich mein Zelt ab und pack meinen Kram auf’s Rad. Dann geh ich gut frühstücken, Fishermen’s Omelette mit Krabben, Schrimps, Pilzen und Bratkartoffeln, dazu Apfelsaft und Kaffee. Ausserdem lade ich mein Handy mal wieder auf. Für den iPod hab ich eine kleine externe Batterie, das reicht noch für 1-2 Tage. Danach setz ich mich noch ne Weile an den Strand hier in San Simeon Village. Gute Wellen gibt’s, ich seh einige Surfer und würd am liebsten auch aber das kostet zuviel Kraft und die brauch ich grad eher auf dem Rad. Aber ich muss hier unbedingt nochmal mit dem Auto hin, denk ich mir, und dann wird gesurft.
Nun geht’s erstmal los auf die 7. Etappe von San Simeon nach Oceano, knapp 100 km heute, dafür eher wellig bis leicht hügelig und viel flach. Es rollt gut und ich hab gut Power vom Frühstück, die ersten 80 km fahr ich einen 23.3 km/h Schnitt, nicht schlecht mit all dem Gepäck, neuer Rekord. Gute 4 Stunden brauch ich so und hol den vertrödelten Morgen damit wieder ein. Kurz vorm Ziel kauf ich noch ein paar Lebensmittel und ein Bier, ich hab keine Lust wieder ohne irgendwas im Nirgendwo zu sitzen. Doch diesmal läuft es anders, das Oceano campground ist geschlossen, statt dessen geht’s zum Coastal Dunes RV Park gleich nebenan, die bieten Hike & Bikers an, zwar für $13 diesmal aber hey, völlig in Ordnung, dafür gibt’s Duschen (Yeah) und Waschmaschinen, passt super. Ausserdem kann ich bestimmt noch irgendwo Strom klauen und meinen USB-Charger wieder komplett aufladen. Schnell geduscht und ab an den Strand. Abgefahren, hier kann man mit Trailer oder RV (Wohnmobil) direkt am Strand zu einem Camp fahren. Die Amis wieder, haben extra ne kleine Sandstrasse am Strand entlang direkt am Wasser gebaut. Erinnert mich an Burningman und die 10 km Einlassschläuse durch die Wüste. Oh man, da geht’s bestimmt gerade gut ab, ist ja Mittwoch, Hälfte fast rum, aber ich bereue nicht dieses Jahr nicht gegangen zu sein, dieser Bike Trip kann einiges, vielleicht sogar mehr, mein kleiner Ironman. Zum Burningman kann ich auch noch ein anderes weiteres Mal gehen, ich war ja schon 2 mal. Dieser Trip, alleine mit Speedy (mein Rad), ist mir im Moment wertvoller, ich komm hier endlich mal zur Ruhe (glaubt man kaum aufgrund der ganzen km, ist aber tatsächlich so) und ich werd mir über so einiges wesentlich klarer in meinem Leben. Das war ja auch das Ziel der ganzen Aktion, so sitz ich also hier und geniesse den Sonnenuntergang während ich diese Zeilen schreibe. Danach geh ich noch in ein mexikanisches Restaurant, die Empfangsdame am campground meinte die Mageritas wären sehr gut, eine gönn ich mir, ganz schön stark sind die merk ich und denk mir normalerweise hätte ich mir bestimmt wieder 2-3 reingepfiffen als gäb’s kein Morgen aber im Moment brauch ich meine Energie für was anderes. Dazu gibt’s ein Schweinesteak mit Äpfeln gefüllt und Reis mit Bohnen. Das ist genau das richtige für die leeren Kohlehydratspeicher. Die Magerita zündet auch, eine reicht völlig. Ich werd schon wieder müde, es ist gerade mal 21 Uhr, seltsamer aber guter Rhytmus, wenn’s dunkel wird bald schlafen gehen und wenn’s hell wird bald aufstehen. Sonst nicht so mein Ding, bin eigentlich eher Nachtmensch, bis in die Puppen. Die eine Bedienung ist ganz schön attraktiv, ich versuch nicht mehr hinzuschauen. Sind die nicht für ihre wilden Feste bekannt, die Mexikaner/innen, wo die ganze Familie ordentlich einen drauf macht, also nur die älteren, die kleinen dürfen einfach lange wach bleiben, mit Schlägerei zum Schluss und Drama, tam tam, denk ich mir, hab’s natürlich noch nie selbst erlebt, ich glaub die Vorstellung stammt aus Filmen, wär mal interessant zu wissen ob das wirklich so zu geht, ich kann es mir aber gut vorstellen. Ich wär gern mal dabei, etwas Spanisch sollte ich eventuell vorher schon lernen. Naja, wer weiss, vielleicht passiert das ja noch eines Tages. So denk ich so vor mich hin und werd immer müder, jetzt merk ich die 100 km. Also ab nach Hause zum Zelt und schlafen. Gute Nacht.

7. Tag
Distanz: 68 km (42 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 20.5 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 59.2 km/h
Fahrzeit: 3:18 h
Terrain: Erst etwa 30km sehr bergig, dann hügelig bis flach.

8. Tag
Distanz: 98 km (61 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 22.5 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 59.3 km/h
Fahrzeit: 4:20 h
Terrain: Wellig bis leicht hügelig, sonst flach.

9.Tag Donnerstag 3. September

Oceano „Coastal Dunes RV Park & Campground“ --> Gaviota State Park

Ich wach gegen 7 Uhr auf und schau nach ob der Waschmaschinenraum schon offen ist. Ist er nicht, also leg ich mich noch ne Stunde hin. Um 8 Uhr wird er dann aufgemacht. Mir fällt auf das ich gar kein Waschmittel habe, naja, geht auch so. Zum Frühstück gibt’s Bananen (Yeah!), Äpfel, Birnen und ein paar Brote, dann geht’s los. Die ersten 50 km laufen gut, ich bin eher gemütlich unterwegs. Es geht ne ganze Weile nur bergab und ich wundere mich wo der bei 50 km eigentlich kommende Berg bleibt. Ich wähn mich siegessicher da ich ja auf der richtigen Strasse bin, die 135. Bei km 65 frag ich doch mal in einem kleinen Dorf nach, ist mir etwas suspekt. Ich erfahr das ich die Abzweigung zu Harrison Grade (der Berg) verpasst habe und jetzt darf ich schön die ganzen 15 km wieder hoch, oh nee. Ist zwar nicht steil aber stetig ansteigend. Dazu bläst auch noch ein Mörderwind das Tal hinunter, genau entgegen meine Fahrtrichtung, ich könnt kotzen. Das tut echt weh und ich leide aber nach einer guten halben Stunde bin ich an der Stelle an der ich eigentlich hätte abbiegen sollen. So, und jetzt kommt halt der besagte Berg und ich bin schon völlig im Eimer und pfeiff aus dem letzten Loch. Aber da hilft nix, Nat Nix, da musste jetzt durch, und so beiss ich mich langsam den serpentinenartigen Weg hoch. Dafür gibt’s danach ne schöne Abfahrt runter nach Lomboc, wo ich auch kurz Wifi suche um zu schauen ob diesmal alles stimmt, nicht noch so ne Verpeilaktion bitte. Dann weiter, wieder auf dem Highway 1 Richtung Gaviota bzw. Gaviota State Park. Es zieht sich wieder endlos den Berg hinauf und mit letzter Kraft komm ich fast schon beim dunkel werden oben an. Schnell noch den Windstopper angezogen und dann runter in’s Tal. Belohnt werd ich mit nem neuen Geschwindigkeitsrekord (74.3 km/h). Dann erreich ich das campground, es ist schon dunkel. Das war ein langer harter Tag. Ehrlich gesagt der härteste bisher, aber auch die meisten km. Total kaputt penn ich früh ein.

Brutaler Gegenwind Alter ;)

Distanz: 134 km (82 miles) (längste Distanz)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 22.0 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 74.3 km/h (neuer Rekord aber kriminell mit
soviel Gepäck)
Fahrzeit: 6:04 h
Terrain: Erst 50 km flach bis wellig, dann bergig.

10. Tag Freitag 4. September

Gaviota State Park --> Carpinteria State Beach

Ich wach gegen 7 Uhr auf, bin ja auch echt früh in’s Bett gestern, da ging nix mehr. Das campground liegt direkt am Strand, hatte ich gestern gar nicht mehr richtig bemerkt. Es gibt auch einen kleinen Beachstore und ich kauf mir eine Rasierklinge. Rasierschaum gibt’s nicht, Duschgel tut’s auch. Ich stell fest, das es Jahre her sein muss seit ich mich nass rasiert habe. sonst benutz ich immer einen E-Barttrimmer auf 1 mm. Hah, jetzt seh ich bestimmt jünger aus :) Ehrlich gesagt hab ich mich in Berlin die letzten Jahre immer wie zw. 25-30 gefühlt. Seit ich in San Francisco lebe eher 30 aufwärts. In der Berliner Blase lässt es sich leicht leben und jung fühlen, das merke ich erst, seit ich nicht mehr da bin. Ein möwenartiger Vogel klaut die ganze Zeit Essen von meines Nachbarn’s Frühstückstisch, ich lach innerlich und schau zu. Der Nachbar hat’s vorher schon gemerkt aber räumt das Essen nicht weg, dann kann er wohl damit leben. Der gestrige Tag sitzt mir in den Knochen, ich chill schon wieder heftigst in den Tag hinein. Ich geh noch mal an den Strand, der ist wiedermal Hammer. Super Wellen auch zum surfen, muss ich mir merken. Ich versteh nicht wie andere Biker immer schon um 8-9 Uhr los fahren können, bei mir wird’s meistens 10-13 Uhr. Macht aber eigentlich schon mehr Sinn wie es die anderen machen, so muss man einen grossen Teil der täglich Strecke nicht in brütender Hitze fahren. Meist macht es mir aber nicht soviel aus, ausser gestern, das hat schon echt reingehauen. So am Strand sitzen hat schon etwas sehr beruhigendes, fast schon heilendes. Die hungrige Möwe ist auch wieder da und checkt den Platz des Pärchens das gerade zu einem Strandspaziergang aufgebrochen ist. Scheint aber nix essbares rum zuliegen. Sie stiehlt sich wieder heimlich davon. Auch kein schlechtes Leben, am Strand oder campground abhängen, warten bis die Leute ihre Sachen nicht im Blick haben und dann, zapzarap … zuschlagen :D Da springt bestimmt so einiges bei raus. Möwe möchte man sein :) Is aber nicht, Nat is er und das lässt sich nicht ändern. Ist auch okay so.
Dann brech ich auf, die ersten 30 km leider auf dem Freeway 101, das rollt zwar gut aber ist schon etwas gefährlich da die Autos zweispurig nebendran vorbei donnern. Ich hab zwar den ganzen Seitenstreifen für mich, mir ist trotzdem etwas mulmig zumute. Dass das mit dem Rad erlaubt ist wundere ich mich, ist es aber, hab ich mehrfach geklärt. Dafür fahr ich einen 26 km/h Schnitt und somit die ersten 40 km in etwa 1.5 Stunden. Dann geht’s auch wieder runter vom Freeway auf die Landstrasse durch Santa Barbara und weiter Richtung Carpinteria. Hier kommt jetzt langsam echt südlicher Flair auf, lauter Restaurants und kleine Buden und viele viele Menschen, Urlauber etc. Und was seh ich denn da, ein Italiener mit Pizza & Pasta, darauf warte ich schon die letzten 10 Tage. Ne ordentliche Portion Spaghetti, was besseres gibt’s nicht für gute Power auf dem Rad. Als ich in jungen Jahren noch Radrennen fuhr, gab’s das jeden Sonntagmorgen vor dem Start. Gewöhnungssache, ich hab’s aber immer geliebt. Erstmal fahr ich jedoch zum Carpinteria State Beach Bike Camp und treff gleich am Eingang John, ein anderer Biker. Der ist sehr sympatisch, auch Richtung Süden unterwegs, lebt aber eigentlich in LA Longbeach, also nicht allzu weit entfernt. Auf jedenfall ist er sehr hilfsbereit und hilft mir die letzten 2 Etappen zu planen. Dann geh ich zum Italiener (Giovannis) und stärk mich mit Spaghetti Bolognese (hier heisst das Spaghetti with meat sauce) und Salat. Eine Band spielt auch noch, direkt im Aussenbereich des Restaurants, super. Auf dem Rückweg zum Bike Camp kauf ich noch nen Träger New Castle Brown Ale und den machen John und ich dann platt während wir Erfahrungen austauschen. Sehr sympatischer Kerl, einer der interessantesten Persönlichkeiten die ich bisher getroffen habe. Die letzten 3-4 Tage war ich alleine und hab niemanden in den Bike Camps getroffen, eine willkommene Abwechslung also. Es wird richtig spät, für meine aktuellen Verhältnisse, wir schnacken bis etwa 23 Uhr und dann geht’s ab in die Falle.

Distanz: 77 km (48 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23.4 km/h (Neuer Rekord wegen Freeway)
Maximalgeschwindigkeit: 47.6 km/h
Fahrzeit: 3:15 h
Terrain: 40 km flach bis leicht wellig (Freeway), danach leicht hügelig

11. Tag Samstag 5. September

Carpinteria State Beach --> Leo Carrilo State Park

Gegen 8 Uhr morgends macht John Kaffee und läd mich ein. Toll, schon was schönes so ein Kaffee am morgen. Ich chill natürlich erstmal und will noch zum 100 Meter entfernten Strand, das hatte ich gestern Abend nicht mehr geschafft. Und vielleicht ess ich vorm losfahren einfach nochmal ne Pasta bei Giovannis, die war soo lecker, mal schauen. Erstmal geh ich in die Wellen und lass mich treiben, das geht auch ohne Board, mit ist’s natürlich besser. Einfach nur ein Boogie Board jetzt, man das wär klasse. Das Wasser ist voll warm hier, ganz anders als in San Francisco oder Big Sur. Mit Boogie Board würd es mir hier so schnell nicht langweilig werden und nen Neopren braucht man auch nicht. Aber man kann ja nicht alles haben, ich hab ja meinen Bike Trip denk ich mir. Dann pack ich meine 7 Sachen und geh zu Giovannis, es gibt also Spaghetti zum Brunch, Frühstück kann man es kaum nennen, es ist schon kurz nach 11 Uhr. Beim losfahren danach liegt mir die Pasta natürlich erstmal im Magen aber das gibt sich nach 10-20 km, das weiss ich ja. Heute verfranz ich mich mehrfach, auch gleich nach dem Start. Ich hab jetzt keine Kartenbilder mehr auf meinem iPod, nur noch ein Ziel und ein Bild von John’s google maps directions (ohne Karte) aber die sind eher verwirrend. Die Pacific Coast Bike Route Schilder stehen auch nicht immer wo sie hingehören, bisher konnte man sich zumindest darauf verlassen. Naja, ich frag mich durch, gibt schlimmeres. In Ventura und Oxnard muss ich das jeweils auch machen. Aber danach wird’s wieder einfacher, man muss nur den Highway 1 entlang. Und Spass hab ich trotzdem:

Mitm Auto aufm Fahrradweg

Die Wellen werden immer besser und grösser in dieser Gegend kurz vor LA. Und da das Wasser so warm ist tummeln sich hunderte von Surfern entlang der Küste im selbigen und warten auf den einen „massive ride“. Surfer Paradies deluxe. Besonders beim Restaurant Neptun geht’s richtig ab, der Himmel ist gefüllt mit Kites von Kite-Surfern und dazwischen lauter Punkte, Surfer die auf das nächste Set warten.
!!! Empfehlung, wenn man hier in der Gegend nördlich von LA als Surfer unterwegs ist, unbedingt bei Neptun vorbei schauen, grossartige und hohe Wellen erwarten einen und später kann man noch im Neptun’s leckeres Seafood oder was anderes essen und das ein oder andere Bierchen trinken, mit Blick auf das ganze Szenario. Ich will gar nicht weiter, so schön ist es hier. Aber es wird schon wieder fast dunkel und so fahr ich noch schnell die 1-2 km zum nahe liegenden „Leo Carrilo State Park“ campground. Da ist es auch grossartig. Also, wie gesagt, für Surfer in der Gegend ein Muss würd ich mal behaupten. Im Bike Camp treff ich wieder John und den dritten Craig auf meiner Tour. Er kommt aus Brasilien und ist irgendwie lustig. Wir machen Lagerfeuer, ich grill wieder HotDogs und Chili aus der Dose, wir quatschen, so geht der Tag zu Ende. Ich werd schon fast etwas traurig beim Einschlafen im Wissen das morgen schon meine letzte Etappe bevorsteht und der ganze Trip bald vorbei ist.

Distanz: 86 km (53 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 24.2 (neuer Rekord, ich werd langsam warm)
Maximalgeschwindigkeit: 51.4 km/h
Fahrzeit: 3:36 h
Terrain: meist flach, zum Ende etwas wellig.

12. Tag Sonntag 6. September

Leo Carrilo State Park --> International Airport Los Angeles

Ich wach gegen 8 Uhr auf und hol mir einen Kaffee im Store des campgrounds. Dazu ein Muffin, lecker. Dann pack ich gemächlich meinen Kram zusammen für die letzte Etappe zum Int. Airport Los Angeles. John gibt mir noch seine Kontaktdaten und lässt mich wissen das ich gern mal bei ihm und seiner Frau in LA Longbeach vorbeischauen kann falls ich in der Nähe bin. Sehr sympatischer Typ, hab mich gern mit Ihm unterhalten. Dann trennen sich die Wege, so ist das eben, alles Schöne und auch die grösste längste Welle hat ein Ende und wenn man es nicht wahrhaben will, wird es meist unentspannt und verkrampft. Ich sitz am Strand und muss an Berlin denken. Ich wage zu behaupten das wir in den Jahren 2003 bis ca. 2010 eine Monsterwelle geritten haben. Mit wir meine ich alle die anderen Hedonisten und BUMS‘er (hehe, Bündnis für urbane Mobilbeschallung), die diese Zeit so unvergesslich gemacht haben. Es war einfach eine grandiose Zeit, wir haben alle zusammenen die unglaublichst intensivsten Erlebnisse gehabt und ich würde sagen massgeblich die mobile Soundsystem Techno Szene in Berlin gerockt. Durch unsere kreativen Aktionen haben wir vielen Menschen gezeigt, das politische Statements und Spass am Leben Hand in Hand gehen können. Unser Soundsystem, der Räuber Hotzenplotz, hat es ja sogar in eine Ausstellung über „Deutsche Jugend nach dem Krieg“ geschafft und bildet quasi das Schlusslicht der Ausstellung über all die Jahre. Ein bisschen stolz bin ich darauf schon. Aber zurück haben will ich ihn ehrlich gesagt eines Tages auch wieder. So schwelge ich in der Vergangenheit während ich mir hunderte Surfer anschaue die sich in den besten Wellen tummeln und alle auf den einen Hammerritt warten. Dann fahr ich los, die letzten 60 km stehen bevor. Es wird immer LA‘iger so nenn ich das mal, sehr sehr heiss, Strand und viel nackte Haut. Aber was soll man bei der Hitze auch gross anziehen. Ich fahr gemütlich, lass es quasi ausrollen, immer schön am Strand entlang, durch Malibu und Santa Monica, die Vororte von LA. Es ist extrem viel los, klar, macht ja auch Sinn, es ist Sonntag und Memorials Weekend, Montag ist einer der wenigen Feiertage und daher sind noch mehr Menschen an der Küste als sonst. Und Surfer, Surfer, Surfer, wohin man schaut, bestimmt auch ganz schön nervig gute Wellen zu bekommen wenn 50 andere das selbe wollen. Da muss man sich behaupten können und wahrscheinlich auch aufpassen das man sich nicht mit den Locals anlegt, sonst gibt’s auf die Mütze :D , hab ich schon öfters gehört. Schliesslich kann ich schon die Flieger landen und starten sehen und weiss, mein Ziel, der Int. Airport LA, ist nicht mehr weit. Schnell noch ein finales Foto mit LAX im Hintergrund gemacht und dann ab zum Car Rental Service. Klappt alles wunderbar und kurz später ist das Rad und ich im Auto und wir beide wieder Richtung Norden unterwegs. Ich fahr einen Bogen um die Küsten nahen Vorstädte die ich gerade mit dem Rad durchquert habe, bei so vielen Menschen hab ich keinen Bock auf den Stress mit Auto. Ich verfranz mich in Beverly Hills und fahr dann ne gute Weile den Mulholland Drive Highway runter, in Gedanken bei Lynch. Dann nehm ich den Highway US 101 und umfahr besagte Vororte von LA. Kurz hinter Santa Barbara komm ich dann wieder auf meine gefahrene Route am Meer entlang zurück und jetzt ist alles so wie wenn man nach geschauenem Film diesen im Schnelldurchlauf rückwärts nochmal anschaut. Ein Tag auf dem Rad entspricht etwa 1 Stunde (oder weniger) mit dem Auto, abgefahren. Ich schlaf im Auto auf einem Parkplatz um dann am nächsten Morgen früh gegen 7 Uhr aufzubrechen. Ich freu mich schon auf Big Sur und dieses Mal brauch ich nicht soviel Bananen ;)

Distanz: 69 km (43 miles)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 21.5 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 63.8 km/h
Fahrzeit: 3:12 h
Terrain: Wellig bis flach, auch abfallend.

Danach Autofahrt von LAX nach Lomboc.

13. Tag Montag 7. September

Lomboc --> San Francisco, Oakland (mit Auto)

Ich hab im Auto besser geschlafen als gedacht, um 7 Uhr geht’s weiter.
Ich fahr ein paar Stunden und halte dann zu einem Frühstück mit Eggs & Bacon. Dann geht’s weiter Richtung Big Sur. Ich hör laut Musik, zuerst ein entspanntes Mixset von Mira & Chris Schwarzwalder vom Fusion Bachstelzenfloor 2013, dann etwas experimenteller das Live FreakyBeats Set von Circuit Bent 2010 und schliesslich ein Technobrett Boiler Room Mix von Richie in Amsterdam. Während ich so fahre und diese merkwürdige Kombi aus pushendem Techno und beruhigender Natur geniesse, muss ich an Michael denken, unser Freund der Anfang 2010 mit Freundin und kleiner Nichte auf dem Weg zurück nach Berlin auf der Autobahn sein Leben liess, alle drei besser gesagt. Ich fang an zu heulen aber es tut gut, da hab ich wohl noch was zu verarbeiten. So fahr ich heulend durch Big Sur während der Bass wummert, zum Glück bin ich alleine unterwegs. Scheint echt was dran zu sein, die heilenden Kräfte des Big Sur. Wie sagt man hier so schön, hab ich auf dem Trip irgendwo gelesen, „A good laugh and a good cry both cleanse the mind.“. Dann heul ich noch wegen was anderem, wenn ich schon mal dabei bin ;) , aber das behalte ich für mich. So geht das ne ganze Weile und es tut wirklich gut, hat etwas von loslassen. Schliesslich schmeiss ich meinen eigenen Lieblingsmix „Nice to meet you“ von 2013 an und hör meine eigene Stimme nach ein paar Tracks singen „Ich möchte rocken“. Ja, das möchte ich immer noch, und ich verstehe das es nicht immer das selbe meint. Das Leben kann man auf viele Arten rocken nicht nur zu Beats auf der Tanzfläche. So schliesst sich für mich ein Kreis und kurz vor Ende Big Sur’s halte ich nochmal, geh an den Strand und von dort aus über den Hiker path zum höchst gelegenen Punkt wo ich meine letzten Vorräte esse und diesen Text schreibe.

Gesamt-Distanz: 917 km (570 miles)
Gesamt-Durchschnittsgeschwindigkeit: 20.9 km/h
Gesamt-Fahrzeit: 43:40 h
10 Tage auf dem Rad / 1 Ruhetag / 1 Tag im Auto zurück

Mukke:
Mira & Chris Schwarzwalder Fusion 2013 Bachstelzen Grantler
CiR©U1₮-฿3₪t – Live FreakyBeats Set – Oct 2010
Richie Hawtin 70 min Boiler Room Amsterdam
NatNix – Nice To Meet You

Mehr Bilder:
Bike Trip San Francisco --> LA

NatNix – Movin

Let’s have a closer look to San Francisco.